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Projekte  / AN AMERICAN ORIFICE  / 

AN AMERICAN ORIFICE





Ausstellung / Performance / Ausstellungsgespräch / Podiumsdiskussion / Filmscreening

 

ein Projekt von Rajkamal Kahlon

mit
KünstlerInnen des California College of the Arts, San Francisco:

Zina Al-Shukri l Maggie Haas l Patrick Hillman l Brigid Mason l Maja Ruznic l Alice Warnecke and Rajkamal Kahlon

Fotos re nach li: Patrick Hillman l Maja Ruznic l Rajkamal Kahlon


Programm:

8. Januar 2010 l 19 Uhr l Vernissage
mit Performance 

9. Januar 2010
l 17 Uhr l Künstlerinnengespräch
mit Maja Ruznic und Zina Al-Shukri

28. Januar 2010
16 Uhr
l „Überzeugungsspaziergang“
18 Uhr l Vorführung des View-Master Films "Jack Smith and the Destruction of Atlantis"

Eine grenzüberschreitende Reise durch die Stadt, in deren Verlauf relevante Artefakte eingesammelt und zurück zum Projektraum gebracht werden. Der Überzeugungsspaziergang findet mit einer Vorführung von View-Master Filmen  seinen abschließenden Höhepunkt.

30. Januar 2010
17 Uhr 
l Künstlerinnengespräch über das Groteske und die Phänomenologie
Alice Warnecke diskutiert ihr Interesse an der Groteske und ihrer Kreuzung mit der Phänomenologie: Die Philosophie der Körperwahrnehmung.

18 Uhr l Podiumsdiskussion über das Groteske und dessen Beziehung zur 
ästhetischen Theorie l

mit Winfried Menninghaus (Professor am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Freie Universität Berlin)
Nanako Nakajima (Tanzdramaturgin, Freie Universität Berlin) und
Lisa Glauer (Künstlerin, Künstlerische Mitarbeiterin, Fakultät Public Arts, Bauhaus-Universität Weimar)

19 Uhr l Finissage


Die Ausstellung Eine Amerikanische Körperöffnung präsentiert eine neue Lesart der in Michail Bachtins Theorien des Grotesken verwurzelten Ideen des gesellschaftlichen Austauschs. Michail Bachtin, russischer Philosoph, Literaturkritiker und -wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, führte das Konzept des grotesken Körpers als „Abbild des unbändigen biologischen und gesellschaftlichen Austauschs“1 ein. arttransponder, ein experimenteller Ausstellungs­raum, der neue partizipatorische und sozial engagierte Modelle der Kunstproduktion und -rezeption erzeugt, bietet den Kontext für unsere Reflexion. Eine Amerikanische Körperöffnung präsentiert Kunst, die den individuellen Körper mit dem gestaltlosen Körper der Gesellschaft verschmilzt. Der menschliche Leib wird zu einem metaphorischen Ort, an dem alle Formen des so­zialen, politischen und wirtschaft­lichen Austauschs zusammen treffen. Der globale Konsum und die globale Produktion befinden sich somit im physikalischen Grenzbereich des Körpers: Die Körperöffnung, wo das Innere auf das Äußere trifft und Verschleierung auf Enthüllungen, wo das Eigene dem Anderen begegnet. Die Grenze zwischen dem Körper und der Welt ist durchlässig und weich, die Triebe ununterdrückbar. Das Groteske erlebt den Körper, zelebriert ihn gar, im Zustand der Veränderung; beim Essen, Trinken, Ausscheiden, Ficken, bei der Geburt und beim Sterben. Das Groteske stellt das vorgefertigte klassische Ideal des Körpers auf den Kopf, mit dem Arsch zum Himmel. Bachtin schreibt: „Neben den Innereien und den Genitalien befindet sich der Mund durch den die Welt eindringt, um verschluckt zu werden. Und dann kommt der Anus. All diese Ausstülpungen und Körperöffnungen haben eine gemeinsame Eigenschaft; es ist in ihnen wo die Grenzen zwischen Körpern und zwischen Körpern und der Welt beseitigt werden: es findet ein Austausch und eine Inter-Orientierung statt.“2

Die acht Mitwirkenden an Eine Amerikanische Körperöffnung kamen 2008 in einem Seminar am California College of the Arts in San Francisco zusammen. Das Seminar, genannt Points of Penetration: The Grotesque Body and Humor in Art, entstand im Atelier und Forschungsbereich von Rajkamal Kahlon. Es war ein
gemeinschaftlicher und wechselseitiger Lernprozess, basierend auf dem Prinzip der Machtteilung im Unterrichtsraum. In diesem Umfeld begann ein Dialog, der auch nach der Auflösung der ursprünglichen Gruppe noch fortgesetzt wird.

Die Teilnehmer_innen sind sich einig: „Das Groteske macht eine gelöste Zusammenarbeit möglich, und zwar durch eine Theorie der Verstreuung und des Überflusses, des Erkennens flüchtiger Konzepte und Identitäten, die sich verändern noch bevor sie umfasst werden können. Als Bestimmungsgröße für die Zusammenarbeit ist das Groteske flexibel und ermöglicht die stetige Anpassung von Idee, Form und Haltung. Wir finden gemeinsamen Boden, selbst wenn alles andere unter unseren Füßen schwindet. Wir untersuchen, auf der körperlichen Ebene, das Kraftfeld das alle Weltangelegenheiten stützt: sexuelle und zwischenmenschliche Beziehungen, Besitz, Schande und Exhibitionismus, Spiel und Hierarchie, den Körper im Raum. Wir positionieren uns so, dass wir beobachten können wie die äußere Welt in uns eindringt, und wie wir in die Welt zurück fließen.“

Text: Rajkamal Kahlon & Maggie Haas

Zitate:
1. Michail Bachtin, “The Grotesque Image of the Body,” Rabelais and His World, Translated by Helene Iswolsky, Indiana University Press, ©1984. (Zitat übersetzt aus der englischen Version des Buches.)
2. Ebd.




Blog zur Ausstellung

 

 





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